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 Enttäuscht, entnervt und nicht beachtet

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BeitragThema: Enttäuscht, entnervt und nicht beachtet   Do 28 Feb - 12:11

Enttäuscht, entnervt und nicht beachtet




Ein großer Mensch, ein lausiger Politiker

28.02.2013, 20:20 Uhr | von Marc L. Merten, t-online.de


Joseph Aloisius Ratzinger ist erlöst. Benedikt XVI. ist nicht mehr Bischof von Rom. Der bescheidene Theologe darf endlich seinen Lebensabend genießen. Hinter ihm liegen acht Jahre der Enttäuschung und Demütigung. Es bleibt die Frage: Welches Erbe hinterlässt der 265. Papst der katholischen Kirche?
Mit seiner letzten Entscheidung als Papst demonstrierte Benedikt XVI. noch einmal seine große Stärke, die so sehr auch seine größte Schwäche war: Der nachsichtige und gutmütige Pontifex, der ein so lausiger Politiker war, ermächtigte das Kardinalskollegium, das Konklave zur Wahl seines Nachfolgers vorzuziehen.

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Die Einen bevorzugt, die Anderen vergräzt

Bislang konnte es frühestens am 15. Tag nach dem Ende des Pontifikats beginnen. Doch der Papst übertrug die Entscheidung dem Kollegium. Und wunderte sich hinterher, dass er damit einen Teil der Kardinäle gegen sich aufgebracht hatte.
Denn diese Kardinäle fühlten sich übergangen. Sie interpretierten seinen Beschluss als Bevorzugung gerade der Fraktion, die einen Italiener auf den Heiligen Stuhl hieven will. Es sind insbesondere europäische Kardinäle, die der Überzeugung sind, die Zeit für einen Römer an der Spitze der katholischen Kirche sei nun gekommen. Sie haben längst begonnen sich zu besprechen und auf den Moment vorzubereiten, an dem sie ihren Favoriten wählen können.

Die Gegner dieser Idee jedoch kommen aus aller Welt: diejenigen, die sich den ersten schwarzen Papst wünschen, einen südamerikanischen oder asiatischen. Sie alle haben nun weniger als die eigentlich vorgesehenen 15 Tage Zeit, um sich ebenfalls zu organisieren. Genau diese Kardinäle hat Benedikt XVI. vergräzt.

"Die Entscheidung war weltfremd"

Experten hat seine Entscheidung nicht überrascht. Auch nicht Christian Feldmann, Journalist, Autor und Papst-Biograf. "Politik war nie seine Welt. Dafür fehlte ihm die Antenne." Das vorgezogene Konklave mag er gut gemeint haben. "Aber die Entscheidung war weltfremd."
Seine Persönlichkeit ließ es nicht zu, sich in der politisch anspruchsvollen Rolle als Papst zurecht zu finden. Der leise, demütige Mensch Joseph Ratzinger war als Pontifex der genaue Gegenentwurf zu seinem Vorgänger, dem mächtigen Medienstar Johannes Paul II. Seine Stärken konnte er zeigen, wenn er sich abseits der großen Bühne mit Menschen traf, zuhörte und mit ihnen diskutierte. "Er konnte sehr gut auf die Menschen eingehen", sagt Feldmann. "Er strahlte immer eine spirituelle Präsenz aus, die ihnen gefallen hat."

Benedikt XVI., von Weizsäcker und Merkel

Diese Eigenschaften ließen ihn abseits des Tagesgeschäfts der Kirche in einem ganz anderen Licht erscheinen. Auch, weil die Welt von ihm als Deutschen etwas anderes erwartet hatte. "Früher hieß es, Deutsche seien herrschsüchtig und dominant", sagt Feldmann. "Der Papst hat – übrigens genauso wie Richard von Weizsäcker oder Angela Merkel – diese Denkweise verändert." Benedikt XVI. sei eben kein polternder Machtmensch gewesen, sondern ein eleganter, zurückhaltender Charakter.
Und dennoch war er gerade in seinem Heimatland unbeliebt. "Er war der Buhmann der katholischen Kirche", sagt Feldmanns Kollege und Papst-Intimus Andreas Englisch. "In keinem Land wurde er so schlecht dargestellt wie in Deutschland."

Als Erklärung dafür sehen beide Experten den großen Reformbedarf, den gerade die Katholiken in Deutschland sahen, als Ratzinger Papst wurde. "Am Ende muss man aber sagen: Es hat sich nichts getan. Da hat der Papst seine Landsleute enttäuscht", sagt Feldmann.

Aufklärung des Finanz-Skandals verläuft im Sande

Die Liste dieser Enttäuschungen ist lang. Bis heute wird Katholiken, die nach gescheiterter Ehe wieder heiraten wollen, das Empfangen der Sakramente verweigert. Dabei, so Feldmann, wäre eine Änderung der bisherigen Praxis "keine große Sache" gewesen. Gleiches gilt für den Umgang mit den Protestanten, denen Benedikt XVI. bis zum Ende seines Pontifikats nicht zugestehen wollte, eine Kirche zu sein.
Hinzu kamen diverse Skandale, in denen sich insbesondere die Katholiken ein härteres Durchgreifen des Papstes gewünscht hätten. So offenbarte die "Vatileaks"-Affäre unter anderem Korruption und Günstlingswirtschaft im Vatikan. Einmal mehr in ihrer Geschichte geriet dabei die Vatikanbank in Verdacht, auf Scheinkonten Gelder dubioser Investoren zu horten und darüber illegale Geschäfte zu finanzieren. Diese undurchsichtigen Geschäfte hatte eigentlich ihr neuer Chef, Ettore Gotti Tedeschi, aufdecken und beenden sollen.

Doch der Mann, der bereits 2009 von Benedikt XVI. speziell dafür ernannt worden war, musste seinen Posten drei Jahre später räumen. Er wurde vom Aufsichtsrat abgesetzt – gegen den Willen des Papstes. "Wer hat da die Fäden gezogen", fragt Feldmann. "Und warum war der Papst nicht stark genug?" Klar ist nur, dass die Ermittlungen im Sande verliefen und die einst als Transparenz-Offensive angekündigte Aufklärung ausblieb.

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Missbrauchs-Affäre offenbart die Spaltung der Kurie

Ein Zeichen der persönlichen Stärke, aber politischen Schwäche des Papstes war auch der Umgang mit dem Missbrauchsskandal. Sein Treffen mit Opfern pädophiler Priester wird als eine der großen Gesten seines Pontifikats in Erinnerung bleiben. Aber auch sein "Versäumnis, die Kirche auf Linie zu bringen", wie es Feldmann ausdrückt.
Benedikt XVI. schaffte es nicht, alle Bistümer zur uneingeschränkten Zusammenarbeit zu bewegen, um eine vollständige Aufklärung der Missbrauchsfälle zu gewährleisten. "Dass das derart aus dem Ruder gelaufen ist, ist auch ein Zeichen für die Spaltung der römischen Kurie", sagt Feldmann.

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Enttäuscht, entnervt, frustriert und nicht beachtet

Am Ende aller Skandale und Enttäuschungen schmiss Benedikt XVI. die Brocken hin und stellte sein Amt zur Verfügung. "In einer Zeit, in der er körperlich am Boden war und Hilfe gebraucht hätte, wurde er allein gelassen", erklärt Englisch. "Ihm wurde klar, dass er keinen Rückhalt mehr hatte. Dass er den Männern um sich herum nicht mehr trauen konnte. Dass sie ihn nicht mehr wollten."
Auch Feldmann glaubt, dass es nicht das eine Ereignis gab, das Ausschlag für seinen Entschluss gab. "Seinen Rücktritt mit der Erkenntnis zu begründen, dass ein paar Kardinäle schwul sind, ist zu simpel", sagt der studierte Theologe. "Er war entnervt von der ständigen Frustration zu sehen, dass seine Leute an der Kurier gegeneinander arbeiteten und machten, was sie wollten."

Immer wieder hatte Benedikt XVI. dazu aufgerufen, die Machtkämpfe zu beenden. Beachtet wurde er nicht. Seine Enttäuschung darüber brachte er nach der Bekanntgabe seines Rücktritts im vorletzten Angelus-Gebet zum Ausdruck, als er fragte: "Wollen wir dem Ich folgen oder Gott, den individuellen Interessen oder dem wirklich Guten?"
Der Rücktritt als Erbe

Was also bleibt als Erbe des nun emeritierten Papstes, außer einem unter dem Strich für alle Seiten enttäuschenden Pontifikat? "Man erinnert sich an Bilder", sagt Feldmann. "Aber Bilder hat er nicht geliefert. Seine Bücher sind wahre Juwelen. Aber Geschriebenes bleibt nicht hängen." Die wohl wichtigste Tat des Papstes wird daher wohl die letzte sein: sein Amtsverzicht.
"Damit hat er die Bedeutung des Papstes für die Kirche verändert", ist Englisch überzeugt. Künftig wird jeder Papst nicht nur aus freien Stücken abdanken können. Darüber hinaus ist den Katholiken in aller Welt erstmals vor Augen geführt worden, dass sie zumindest die theoretische Chance haben, einen bislang zu Lebzeiten unantastbaren Mann durch öffentlichen Druck zum Rücktritt zu bewegen, um die Kirche zu verändern.

Quelle: von Marc L. Merten, t-online.de




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